Lebendige Antike 2018/19

Programm der Lebendigen Antike 2018/19 am Eichendorff-Gymnasium in Koblenz

Mi., den 7.11.2018: „Theoderich der Große – ein „Barbar“ auf dem römischen Kaiserthron?“

Dr. Andreas Goltz, Universität Mainz.

Theoderich der Große (um 453-526 n. Chr.) gehört zweifellos zu den bedeutendsten  und faszinierendsten Herrschergestalten der sogenannten Völkerwanderungszeit. Als ostgotischer „Barbar“ und Anführer föderierter Truppen gelangte er bereits im Oströmischen Reich zu höchsten Ehren und Ämtern, aber auch immer wieder in schwere Konflikte mit dem Kaiserhof. Später zog er mit seinen verbänden nach Westen, eroberte Italien und die angrenzenden Regionen und errichtete eine Herrschaft, die dem ehemaligen Kerngebiet des Römischen reiches eine letzte politische , ökonomische und kulturelle Blüte bescherte. Über die Bewertung dieser Herrschaft und die Person des Ostgotenkönigs ist im Laufe der Geschichte immer wieder heftig diskutiert, ja gestritten worden, War Theoderich ein selbständiger Herrscher – ganz im Sinne eines germanischen Heldenkönigs -, nur ein Amtsträger des Ostkaisers oder ein merkwürdiges Zwischenwesen? Bedeutete seine Herrschaft die Wiederbelebung des weströmischen Kaisertums, die Einsetzung eines oströmischen Statthalters oder den Siegeszug des germanischen Königtums? Gehört das italische Ostgotenreich noch in die Spätantike oder in das Frühmittelalter? Überwiegen die römischen oder germanischen Aspekte seiner Herrschaft? Diesen und anderen Fragen möchte der Vortrag unter kritischer Berücksichtigung der Motive und Hintergründe für die jeweiligen Interpretationen nachgehen, um einen differenzierten Blick auf Theoderich und seine Herrschaft zu ermöglichen.

E-Mail: goltz@uni-mainz.de

Mi., den 21.11.2018: „ Herodot und Thukydides – die ersten europäischen Geschichtsschreiber“.

Dr. Wolfgang Will, Universität Bonn.

Die Anfänge der griechischen und darüber hinaus der abendländischen Geschichtsschreibung fallen mit ihrem Höhepunkt zusammen. Verkörpert werden beide durch Herodot und Thukydides. Herodot wurde in den achtziger Jahren des 5. Jahrhunderts v. Chr. Geboren,. Thukydides etwa zwei bis drei Jahrzehnte später. Jener vollendete sein Werk, als dieser es begann.

Herodot ist, wie es Cicero formuliert, der „pater historiae“, der Vater der Geschichtsschreibung. Die Griechen lasen Homers Ilias als Geschichtswerk über den Trojafeldzug. Das Bedürfnis, die eigenen Taten der Nachwelt zu überliefern, entstand erst nach der gemeinsamen Abwehr der Perser bei Marathon und Salamis. Die Perserkriege wurden das Sujet Herodots, Thukydides fand sein Thema im Peloponnesischen Krieg.

Ausgehend von der Ethnographie seines Vorgängers Hekataios fand Herodot über die Schilderung von Reiseerlebnissen zur Darstellung historischer Ereignisse. Thukydides setzte das von Herodot Begonnene fort und spitzte sein Werk zu einer solchen Schärfe der historischen Kritik zu, dass diese noch für das das 21. Jahrhundert Gültigkeit beanspruchen kann. Immanuel Kant behauptete im Anschluss an den Philosophen Thomas Hobbes, alle Geschichtsschreibung sei nur eine Fußnote zu Thukydides. Der Vortrag gibt eine Einführung in Leben und Werk beider Historiker und behandelt bei beiden Geschichtsschreibern u.a. die Frage, welche Informationsquellen sie verwendet und welche Kriterien zur Ermittlung der „richtigen „ Information sie gebildet haben. Dabei werden die berühmten Methodenkapitel des Thukydides besprochen.

E-Mail:  wwill@uni-bonn.de

Mi., den 6.2.2019: „Als die Römer Christen wurden. Die Auseinandersetzung von Antike und Christentum bis zum Tod Trajans.

Dr. Ingo Schaaf, Universität Konstanz.

Die Einsicht, wonach „Christentum auch Antike sei“ (J. Fontaine) ist in den klassischen Altertumswissenschaften ganz so alt nicht, obwohl das Forschungsprogramm „Antike und Christentum“  (F. J. Dölger) auch über den deutschsprachigen Bereich hinaus enorm gewirkt hat. Im Anschluss hieran will der Vortrag die wechselseitigen Beziehungen der ersten Christen und ihrer altgläubigen Umwelt in den Blick nehmen und anhand unterschiedlichster Quellengattungen und – belege die schwierige Situation des ersten Jahrhunderts näher beleuchten. Besondere Berücksichtigung soll dabei die Frage erfahren, wie „fremd“ die Christen in der antiken Welt gewesen sind beziehungsweise inwiefern sie als solche von der Mehrheitsgesellschaft wahrgenommen wurden. Das sich somit ergebende Bild will die Anfänge einer Entwicklung darstellen, die über Krisen und Konflikte hinaus bis heute aktuell geblieben ist. Den Endpunkt der Betrachtung bildet der berühmte Briefwechsel zwischen Plinius d. J. und Kaiser Trajan (Plin. ep.10,96 seq.), der wertvolle Einblicke in das schwierige Verhältnis des römischen Staates zur neuen Religion gewährt.

E-Mail:Ingo.Schaaf@uni-konstanz.de; Ingoschaaf@yahoo.de

Mi., den 20.2.2019: „Medeas Heimat – Georgien in denr Antike“.

Dr. Patrick Schollmeyer, Universität Mainz.

Für die Griechen war Medeas Heimat, das goldreiche Georgien, keine unbekannte Region, auch wenn in ihrer geographischen Vorstellung der Kaukasus eine unüberwindliche Grenze der bewohnten Welt darstellte. Zwei bedeutenden Mythen – die Bestrafung des Prometheus und der Raub des goldenen Vlieses – haben hier ihren Schauplatz. Auch historisch gesehen gibt es eine Reihe von Anknüpfungspunkten mit der griechischen und später der römischen Welt. Diesen Spuren ist der Vortrag gewidmet. Es soll dabei ein lebendiges Panorama der vielfältigen Kontakte gezeichnet werden, die die Archäologie der antiken Kaukasusregion in einem neuen Licht erscheinen lässt: Medeas Heimat als spezieller Erinnerungsort im europäisch-kulturellen Gedächtnis.

E-Mail: schollme@uni-mainz.de

Alle Vorträge finden um 19.30 Uhr im Eichendorff-Gymnasium in Koblenz (56068; Friedrich-Ebert-Ring 26-30) statt. Eintritt: 5 Euro (nur Abendkasse!).