Lebendige Antike 2019/20

Programm der Lebendigen Antike 2019/20 am Eichendorff-Gymnasium in Koblenz

Mi., den 13.11.2019: Philipp II. – viel mehr als nur der Vater Alexanders des Großen“.

Dr.  Jörg Fündling, RWTH Aachen.
König Philipp II. von Makedonien (382/3-336 v. Chr.) spielte nicht allein aus der Perspektive athenischer Autoren die Rolle eines Unruhestifters in der komplexen Politik des nachklassischen Griechenland. Der Notfallkandidat einer vom Untergang bedrohten Dynastie brachte es fertig, das traditionelle Kräftespiel zu beenden und die griechischen Mächte in eine Hegemonie eigenen Zuschnitts zu zwingen – nur hatte ausgerechnet er das „Pech“, nach einer mehr als beachtlichen Karriere dauerhaft in den Schatten seines ebenso dynamischen Sohnes Alexander zu geraten, dem Philipps Ermordung unerwartet früh den Weg auf die Weltbühne freiräumte und riesige Machtmittel in die Hand gab. Der Schöpfer des makedonischen Großreiches – in der Selbstdarstellung wie in der Wahrnehmung durch andere gleich schillernd, in der Wahl seiner Methoden skrupellos und risikofreudig, aber erstaunlich bedacht – lädt zu genauerem Hinsehen ein, durchaus auch im Vergleich mit Profil und Temperament seines Sohnes, der sich ein Leben lang an Philipp und dessen verblassendem Nachruhm gerieben hat.

Mi., den 27.11.2019: „ Homers Odysseus – kein Mann ohne Eigenschaften.“

Prof. Dr. René Nünlist. Universität zu Köln.
In der „Odyssee“ lässt Homer den Protagonisten wiederholt in schwierige und gefährliche Situationen geraten. Seine zahlreichen Qualitäten und vielfältigen Charaktereigenschaften erlauben es Odysseus, die Krisensituationen zu meistern und seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, wobei er gelegentlich auch Fehler macht. Im Vortrag wird der Versuch unternommen, dieses schillernde Portrait anhand von ausgewählten Beispielen nachzuzeichnen..

Mi., den 5.2.2020: „Alexander der Große im Mittelalter: Geschichte und Legenden.

Prof. Dr. Peter Orth, Universität zu Köln.
Alexander der Große ist vielleicht die antike Herrschergestalt, die auf das Mittelalter die größte Faszination ausübte. Die Geschichten von seinem rasanten Aufstieg und jähen Ende wurden in vielen Kunstwerken, zumal in illuminierten Handschriften und in allen europäischen Literaturen nacherzählt. Aus einem breiten Fundus antiker Quellen konnten damals Nachrichten über Alexander bezogen werden: zur Verfügung standen etwa das Geschichtswerk des Curtius Rufus, viele anekdotische Erwähnungen bei Cicero, Seneca  oder in den „Facta et dicta memorabilia“ („Erinnerungswürdige Taten und Aussprüche“) des Valerius Maximus und schließlich die fiktionalen, romanhaften Erzählungen von Alexander („Alexanderroman“), deren griechische Ausgangstexte durch lateinische Übersetzungen bekannt wurden.

Anhand von ausgewählten historischen und sagenhaften Episoden wie Alexanders Tauchfahrt, seinem Greifenflug und seinem Vorstoß zum irdischen Paradies wird der Vortrag Grundzüge des mittelalterlichen Alexanderbildes entwickeln und ausgewählte Darstellungen präsentieren. Im Mittelpunkt wird dabei die besonders reiche lateinische Literatur des Mittelalters stehen. Es verwundert daher nicht, dass Alexander um 1180 das erste lateinische Epos des Mittelalters gewidmet wurde, die „Alexandreis“ Walters von Chàtillon, die bis in das 16. Jahrhundert zum Kanon gehörte, an der Seite von Vergil und Ovid.

Mi., den 26.2.2020: „Saxa loquuntur. Die Funktion der Architektur des Forum Romanum.“

Prof. Dr. Christian Kassung, Humboldt-Universität Berlin.
Als Wissenschaft interessiert sich die Architektur gemeinhin für die symbolische Dimension von Architektur. Die Fundstücke und Reste der Vergangenheit können auf bestimmte, repräsentative oder ästhetische Bedeutungen hin untersucht werden, aber ihre Funktion als ehemals lebendige Architektur scheint auf immer verloren. Dabei hat beispielsweise die gebaute Architektur des Forum Romanum enorme wichtige Funktionen für die orale (mündliche) Kommunikation, also das konkrete Funktionieren von Politik, Gesellschaft und Ökonomie gehabt. Denn über eine erfolgreiche oder gestörte Kommunikation durch Sprache entscheidet nicht zuletzt das Wechselspiel von Schall und Stein. Dank moderner digitaler Technologien ist es möglich, virtuelle Modelle antiker Platzanlagen zu konstruieren, in denen sich historische Schallereignisse nachempfinden und erforschen lassen. Der Vortrag wird erläutern, wie diese Simulationen funktionieren und welche Chancen darin für zukünftige Forschungen liegen.

Alle Vorträge finden um 19.30 Uhr im Eichendorff-Gymnasium in Koblenz (56068; Friedrich-Ebert-Ring 26-30) statt. Eintritt: 5 Euro (nur Abendkasse!).

Kontaktadresse: Ralph Riefert (Tel: 0261/915940)

Anmerkung: Weitere Infos zu der Reihe der vhs Koblenz „Lebendige Antike“finden Sie unter www. vhs-koblenz.de. Informationen zu den beiden Vorträgen am Görres-Gymnasium ab Mai 2020  (6.5: „Caesar und die Macht der Medien“ (Prof. Dr. J.F.Gärtner, Uni Köln) und am 17.6. „Das Gymnasion und die Bildungskultur der Antike“ (M.Becker) finden Sie demnächst auf der Homepage des Goerres-Gymnasiums.)