Lebendige Antike 2021/22

Programm der Lebendigen Antike 2019/20 am Eichendorff-Gymnasium in Koblenz

Mi., den 10.11.2021: „ Euripides‘ Tragödienverständnis am Beispiel der Iphigenie in Aulis.

Prof. Dr. Peter Riemer, Universität Saarbrücken.

Im 5. Jahrhundert v. Chr., in der Hochblüte der griechischen Kultur, haben drei Tragödiendichter die Theaterbühne Athens beherrscht: Aischylos, Sophokles und Euripides.Ihre Stücke waren mit Mythen befasst, die sie je weils anders auslegten, weil ihre Weltsicht eine verschiedene war. Hoben die beiden älteren Dichter in ihren Stücken die Allmacht der Götter hervor und glaubten fest an eine höhere Gerechtigkeit, stellte der jüngste von ihnen, Euripides (ca. 480-406 v. Chr.), ein gottbefohlenes Schicksal gänzlich in Frage. Er gehörte zu den Aufklärern seiner Zeit und gestand den Menschen ein eigenes Entscheidungsvermögen zu. Aber er propagierte nicht nur die Befreiung von göttlicher Determiniertheit, sondern übte zugleich Kritik an eben diesem frei agierenden  Menschen. Der Vortrag zeigt mit Blick auf andere euripideische Stücke, angefangen mit der Alkestis (438 v. Chr.), dass der Dichter dieser kritischen Sicht auf den Menschen bis zu seiner letzten Tragödie, der Iphigenie in Aulis (406 v. Chr.), treu geblieben ist.

 

Mi., den 24.11.2021: „ Psychopathen in Purpur? Die julisch-claudische Dynasitie und der Caesarenwahnsinn.“

Dr. Florian Sittig, Universität zu Köln.

Die julisch-claudischen Kaiser Tiberius, Caligula, Claudius und Nero sind für ihre Eskapaden bekannt. Sexuelle Perversionen, sadistische Freude an grausamen Hinrichtungen und der Glaube an die eigene Göttlichhkeit sind nur einige Beispiele aus dem Katalog ihrer Verhaltensauffälligkeiten. Die geschichtswissenschaftliche Diskussion der entsprechenden Berichte in den antiken Quellen erfolgt bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts in Auseinandersetzung mit dem Konzept des sogeannten Caesarenwahnsinns, eines psychischen Syndroms, ausgelöst durch eine unkontrollierte Machtfülle. Die Debatte kreist dabei vor allem um die Frage, ob die julisch-claudischen Kaiser   einer solchen Krankheit erlagen oder ob es sich lediglich um eine Kampagne nachträglicher Diffamierung handelte. Als historische Analysekategorie bietet der Caesarenwahnsinn jedoch ein wesentlich größeres Erkenntnispotential für die strukturelle Erforschung des römischen Prinzipats, als bislang ausgeschöpft wurde. Über diesen Zugang lässt sich ein tiefer Einblick in die Widersprüchlichkeiten eines soziopolitischen Systems in der Phase seiner Genese und Aufschluss über dessen sukzessive Evolution gewinnen.

 

Mi., den 09.2.22: „Frauen und Mode im frühen Griechenland“.

Prof. Dr. Klaus Junker, Universität Mainz.

Die Kleidung im antiken Griechenland, in abgewandelter Form durch viele Filme in der Gegenwart präsent, stellt auch für die Wissenschaft ein interessantes Thema dar. Schon in den Epen Homers spielen Textilluxus und schöne Kleidung, insbesondere bei den Frauen,  eine wichtige Rolle: Man erfreut sich an der Schönheit der Stoffe und dokumentiert zugleich seine Zugehörigkeit zur Elite. Auch wenn sich kaum physische Reste der getragenen Kleidung erhalten haben, liefern Vasenbilder, Reliefs und Statuen eine lebhafte Anschauung von Formenvielfalt und Tragweite. Neuere naturwissenschaftlcihe Untersuchungen erlauben zudem, eine gute Vorstellung von der Farbigkeit der Gewänder zu gewinnen. Der Vortrag konzentriert sich auf die archaische und die hochklassische Epoche (ca. 750 bis 450 v. Chr.) und will zeigen, dass wir für die griechische Welt bereits von Mode  sprechen können, als einem bedeutenden ästhetischen und sozialen Phänomen.

 

Mi., den 02.03.2022: „Eine Kaisermutter als Venus – Die römischen First Ladies und ihr „virtuellen Körper““.

Dr. Patrick Schollmeyer, Universität Mainz.

Als Einstieg in das Thema wird eine Marmorstatue der Antonia Minor, Großmutter des Caligula und Mutter des Claudius, näher vorgestellt, die eine spannende Entdeckungsgeschichte hat und in der Antike in einem besonders luxuriösen Ambiente aufgestellt war. Dieses in Baiae, dem Sommerbad der römischen High Society, gefundene Standbild, das die kaiserliche Dame als Venus zeigt, dient als Einführung in die Interpretationsmöglichkeiten der wichtigsten Körpertypen, die für die statuarische Repräsentation der römischen Kaiserinnen seit Livia und bis zur Zeit Helenas (der Mutter Konstantins) in Gebrauch waren. Anhand weiterer prominenter Beispiele (u.a. Livia, Agrippina, Helena) wird gezeigt, welche inhaltlichen Aussagen im Sinn von idealen Rollenklischees mittels der diversen standardisierten Statuenkörper, welche ja niemals den „wahren, echten“ Körper der jeweiligen Kaiserinnen abbilden, dem antiken Betrachterpublikum vermittelt worden sind.

 

Alle Vorträge finden um 19.30 Uhr im Eichendorff-Gymnasium in Koblenz (56068; Friedrich-Ebert-Ring 26-30) statt. Eintritt: 5 Euro (nur Abendkasse!).

Kontaktadresse: Ralph Riefert (Tel: 02612935478)