Lebendige Antike 2020/21

Programm der Lebendigen Antike 2019/20 am Eichendorff-Gymnasium in Koblenz

Geändertes Programm der Lebendigen Antike 2020/1 am Eichendorff-Gymnasium in Koblenz (Vortragsreihe der vhs Koblenz)

 

Mi., den 23.6.2021: „ Projektionsfläche Marc Aurel: Bilder eines guten Kaisers aus 1800 Jahren.“

Dr. Jörg Fündling, RWTh Aachen.

Im Hollywood-Erfolg „Gladiator“ (2000) und dessen Vorgänger „Der Untergang des Römischen Reiches“ (1963) erscheint Kaiser Marc Aurel als gebrechlich letzte Hoffnung auf ein humanes, ja demokratisches Rom gegen die Gefahren von Dekadenz, Tyrannei und ungezügelte Gewalt. Wie die Gegenüberstellung mit dem als bösartig gezeichneten Erben Commodus hat auch die Heldenfigur seines Vaters zahlreiche Wurzeln in erzählenden Quellen der Antike. Historiker und Biographen der Kaiserzeit erzählen dabei, noch bevor es Regie und  Drehbuch getan haben, mit beträchtlichen Freiheiten „ihren“ Marc Aurel. Das Spiel mit Ängsten und Idealvorstellungen verrät dabei ebenso viel über die jeweiligen Epochen, wie es Hinweise gibt, warum sich gerade diese Person so außergewöhnlich als Identifikationsfigur zu eignen scheint.

E-Mail: joerg.fuendling@rwth-aachen.de

 

Mi., den 7.7.2021: „ Leonidas und seine 300 Spartiaten. Geschichte und Mythos der Schlacht bei den Thermopylen (480 v. Chr.)

Dr. Andreas Goltz, Universität Mainz.

Leonidas und seine 300 Spartiaten galten schon in der Antike als Exempel für den heroischen Kampf einer kleinen Truppe gegen einen zahlenmäßig überlegenen Feind Selbst in aussichtsloser Lage hielten der König und seine Mitkämpfer bis zum Tod die Stellung. Dieses Bild heldenhafter Gesetzestreue und Opferbereitschaft – gerne noch bereichert um die Interpretation als Kampf griechischer (westlicher) Freiheit gegen barbarische (östliche) Despotie – prägt bis heute die Rezeption der Schlacht bei den Thermopylen 480 v. Chr. und wird durch literarische, künstlerische oder politische Inanspruchnahme immer wieder aktualisiert und instrumentalisiert. Grund genug, sich einmal kritisch mit den Quellen, historischen Kontexten und Wirkungsmechanismen dieser bemerkenswerten Umdeutung einer militärischen Niederlage in einem moralischen Sieg auseinanderzusetzen.

E-Mail:  goltz@uni-mainz.de

 

Mi., den 22.9.2021: „Fröhliche Wissenschaften in Aristophanes´ „Wolken“ . Sokrates und die Sophisten.“

Prof. Dr. Jochen Althoff, Universität Mainz.

In den aristophanischen „Wolken“ von 423 v. Chr. (wir besitzen allerdings nur eine überarbeitete Fassung!) tritt Sokrates in einer Weise auf, die den an Platon geschulten Leser stark irritiert. Wenn er bei Platon stets als Gegner der zeitgenössischen Sophisten erscheint, ist er bei Aristophanes geradezu ein Vertreter dieser neuen intellektuellen Strömung am Ende des 5. Jhs. v. Chr.. Es scheint, als sei der Komiker großzügiger mit der Zuordnung einzelner Intellektueller umgegangen als der Philosoph Platon. Es sind aber nicht nur typische sophistische Themen, die in den „Wolken“ mit Sokrates verbunden werden, sondern auch aus zahlreichen anderen wissenschaftlichen Diskussionen übernimmt Aristophanes Motive, um sie seinem Sokrates anzuheften. Die Herkunft und spezifisch komische Verwendung dieser Elemente soll untersucht werden, wobei sich ergeben wird, dass die komische Verwertung bei Aristophanes im Vordergrund steht. Es ist zwar immer etwas unglücklich, wenn man Witze erst erklären muss, aber die Komik der altattischen Komödie erschließt sich heutigen Lesern erst auf den zweiten Blick. Wir werden sehen, dass sie dennoch auch heute noch witzig ist!

jalthoff@uni-mainz.de

 

Mi., den 29.9.2021:  „Kaiser Trajan an Rhein und eine verhinderte Militärrevolte.“          

Prof. Dr. Werner Eck, Universität zu Köln..

Als Kaiser Nerva im Oktober des Jahres 97 den Senator Ulpius Traianus als Sohn und damit Nachfolger adoptierte, war dieser nicht in Rom anwesend; er hielt sich vielmehr in Mainz auf, da er Statthalter der Provinz Obergermanien war. Jeder hätte erwartet, dass der der Adoptivsohn sogleich nach Rom zurückkehren würde, um sich Senat und Volk zu präsentieren. Doch das geschah nicht, vielmehr eilte er sofort in die niedergermanische Provinzhauptstadt Köln. Lange Zeit hat man nicht danach gefragt, warum Traian sich nicht nach Rom, sondern nach Niedergermanien begab. Doch der historische Kontext und vor allem neue Dokumente zeigen, dass in Niedergermanien eine Heeresrevolte wie im Jahre 69 n. Chr. drohte. Diese hätte auch Nerva und Traian bedroht, weshalb er in die Colonia Claudia Ara Agrippinensium eilte, um die Revolte zu verhindern. Als er selbst im Januar 98, als Nerva in Rom starb, in Köln als Kaiser akklamiert wurde, hatte er den Frieden beim niedergermanischen Heer bereits wiederhergestellt.

E-Mail: Werner.Eck@uni-koeln.de

 

Alle Vorträge finden um 19.30 Uhr im Eichendorff-Gymnasium in Koblenz (56068; Friedrich-Ebert-Ring 26-30) statt. Eintritt: 5 Euro (nur Abendkasse!).

Kontaktadresse: Ralph Riefert (Tel: 0261/2935478)