Lebendige Antike 2017/18

Mi., den 15.11.2017: „Sulla – skrupelloser Diktator oder selbstloser Retter der Republik?“

Dr. Jörg Fündling, RWTH Aachen

Die gut dokumentierten, ereignisreichen Jahrzehnte zwischen dem Aufstieg Caesars und der Vollendung der Alleinherrschaft von Octavian-Augustus prägen unser Bild von der späten römischen Republik. Außer Sicht gerät darüber meistens die Generation vor ihr, die den Boden für ihre Krisen und Konflikte bereitete. Schlüsselfigur dabei ist Lucius Cornelius Sulla (138-78 v. Chr.), der nach einer spektakulären Laufbahn als Militär und Politiker den ersten Bürgerkrieg Roms zugunsten der konservativen Kräfte entschied. Als Diktator im modernen Sinn des Wortes gab er mit einer Kombination aus Terror und Konsenssuche der römischen Politik und Gesetzgebung ein neues Gesicht. Nach Sullas freiwilligem Rücktritt und der Auflösung seines Systems wurde er zur Negativfigur, bis heute steht er im Hintergrund der Erinnerung – ein guter Grund, sich das widersprüchliche Erbe einer komplizierten Persönlichkeit näher anzusehen.

Joerg.fuendling@rwth-aachen.de

 

Mi., den 29.11.2017: „Das Fremde verstehen. Was wir von Homer lernen können“

Prof. Dr. Arbogast Schmitt, Universität Marburg

 

Homers Epen enthalten für den heutigen Leser viel Fremdes.

Dieses Fremde springt deutlich in die Augen, und es ist auch von der Forschung lange Zeit bevorzugt gesammelt und erklärt worden. Es gibt daneben aber vieles, das uns wohlvertraut ist: Wie hier Kriege aus egoistischen Gründen geführt werden, wie der Streit im Lager der Angreifer auf ganz persönliche (Vor-) Lieben zurückgeht, oder wie zwei einander kongenial vertraute Liebende über alle Vernunft hinweg aufeinander warten, usw. Der Vortrag möchte nicht Vertrautes gegen Fremdes ausspielen, sondern im Fremden das zu ermitteln versuchen, was auch wir noch verstehen können und durch das wir unsere eigenen Maßstäbe vielleicht sogar erweitern können. Angesichts der vielen fremden Kulturen, mit denen wir uns heute auseinandersetzen müssen, bietet uns die eigene fremd gewordene Vergangenheit eine gute Einführung, Fremdem nicht nur mit Toleranz, sondern mit der Bereitschaft, von ihm zu lernen, zu begegnen.

schmitta@staff.uni-marburg.de

 

Mi., den 7.2.2018: „Palmyra – ein Zentrum des Orients und Okzidents.

Frau OStR´a. D. Angelika Dams-Rudersdorf, Boppard

In diesem Vortrag sollen im 1. Teil die Lage und Bedeutung der Stadt Palmyra in der Antike und in Grundzügen bis heute dargestellt werden. In einem 2. Teil wird der Versuch unternommen, Erklärungen zu finden für die nicht enden wollenden Kriege heute in dieser Region, indem die Auseinandersetzungen um diese Region im Verlauf der langen Geschichte dargestellt und auf ihre Struktur untersucht werden. In einem 3. Teil werden die Monumente Palmyras vor der Zerstörung gezeigt und in ihrer Bedeutung erklärt.

p-dams@t-online.de

 

Mi. den 21.2.2018: „Caesar´s Woman und Cleopatra“.

Prof. Dr. Tamara Choitz, Universität Mainz.

 

Namen, Symbole, Themen aus der griechisch-römischen Antike finden sich auch immer wieder in der Benennung von Produkten oder ihrer Bewerbung. Man denke an Nivea, Fortuna Düsseldorf, Phaeton oder Victoria-Versicherungen.

In diesem Vortrag wird ein Themenkomplex exemplarisch behandelt, in dem Aspekte der antiken Kultur auch häufig wieder eingesetzt werden, und zwar sowohl bei der Namensgebung selbst, als auch bei der Gestaltung von Verpackung und Flacon, nämlich bei Parfums und Kosmetikprodukten.

Die Anzahl der Namen bzw. der verwendeten Kunstwerke, die dabei der Antike entnommen sind, ist durchaus beeindruckend, die konkrete Verwendung allerdings ist äußerst unterschiedlich: z. T. wird mit einer gewissen – bisweilen sogar tieferen – Kenntnis von antiken Gegebenheiten gespielt, z. T. werden aber auch Namen wie Venus oder „Hero“ plakativ verwendet. Und es gibt auch Verwendungen, die – von der antiken Reale her gesehen – einfach nur „falsch“ sind.

Tamara.choitz@gogglemail.com

Anmerkung: Die Veranstaltungen finden jeweils um 19.30 Uhr in Raum 215 PC im zweiten Stock des Eichendorff-Gymnasiums statt. Eintritt: 5 Euro (nur Abendkasse!).